5 Jahre nach der Liposuktion bei Lipödem
Oh, du liebe Liposuktion bei Lipödem. Das Allheilmittel, welches schon fast morbide einseitig beworben wird und die Hoffnung von so vielen strapaziert.
2015 habe ich nach verzweifelten Jahren auch drei Liposuktionen über mich ergehen lassen, in denen mir 12 Liter Fett entfernt wurden. Sowohl mein behandelnder Arzt, als auch ich sind so neutral es nur ging und vorsichtig optimistisch an das Thema herangetreten und anders würde ich es dir nicht empfehlen. Es ist russisch Roulette, so wie viele andere Operationen auch, die zwar die Symptome lindern, aber die Ursache nicht heilen.
Von der Diagnose auf den OP-Tisch
Die Lipödem Community wächst stetig und heute findet man mehr Informationen zu allen möglichen Themen rund um das Lipödem und vor allem den Liposuktionen. Viele eröffnen einen Instagram-Account, um sich bei der Reise von der frischen Diagnose direkt zum OP-Termin verfolgen zu lassen und ihre Erfahrungen zu teilen.

„Aber ist dadurch das Wissen jetzt so viel besser zugänglich, als noch zu Beginn von Social Media?“
Jein, denn die Informationsgewalt scheint die frisch Diagnostizierten schier zu überrollen und anstatt sie schlauer zu machen, wie sie mit der Situation jetzt umgehen sollen, sehen sie den Wald vor lauter Liposuktionen nicht.
Jedet Rölleken is anners
Vorher-Nachher Bilder sind quasi an der Tagesordnung, aber was bringen sie denn wirklich? Man sieht Beine, die nicht die eigenen sind von Personen, die ein anderes Leben als man selbst führen. Sie ernähren sich anders, wiegen mehr oder weniger, machen vielleicht Sport oder eben nicht, klein, groß, alt, jung, kurz nach der Diagnose, 40 Jahre nach ihr, …
Merkst du was? Jede Erfahrung ist anders, jede Schmerzempfindung und vor allem jedes Ergebnis auch. Erhöhen solche Bilder nicht eigentlich den Druck auf dich, auch so ein Ergebnis haben zu wollen? Und wenn es jetzt nicht eintrifft, was dann? Macht sich dann eine unnötige Enttäuschung breit oder bist du stark genug, ein zufälliges Ergebnis anzunehmen?
Ich bin in diesem Thema so grausam ehrlich, weil ich es sein muss. Für alle, die sich nicht trauen es zu sein. Denn es gibt sie und sie bedanken sich regelmäßig dafür, auch in der Öffentlichkeit Gehör zu finden. Es ist nämlich gar nicht so leicht, sich gegen andere Operierte zu behaupten, die manchmal abweichende Erfahrungen neben ihrer eigenen gar nicht zulassen möchten. Man selbst ist ein neuer Mensch, alles supi-dupi und jetzt geht es einem anderen nicht so und will der operativen Methode den makellosen Glanz nehmen? Pfui!
Kritik unerwünscht
Ach, natürlich überspitze ich es hier, aber wenn ich es so nicht schon erlebt und auch von anderen Bloggern gehört hätte, würde ich das hier wohl nicht schreiben müssen. Es ist bei weitem nicht die Überzahl, aber erschreckend viele, so dass man den eisigen Gegenwind deutlich zu spüren bekommt.
Man würde anderen Betroffenen die Hoffnung auf ein besseres Leben nehmen, sagen manche einem dann. Heißt das dann übersetzt, dass negative oder durchwachsene Erfahrungen nicht erwünscht sind? Gerade bei beliebten Ärzten? Dass man sie lieber totschweigen soll, damit … was genau? Die Fallhöhe so unangenehm hoch bleibt, wenn doch nicht alles nach Plan verläuft? Wir sind doch alle erwachsen und sollten umfassend über alles Bescheid wissen, wenn wir uns auf etwas einlassen. Oder möchtest du ein Haus kaufen, ohne zu wissen, was im Keller liegt? Na gut, spannend wäre das schon, aber darum geht’s doch jetzt nicht. Nächstes Mal vielleicht.
Weißt du, was ich jetzt merke? Ich hab mich tierisch verzettelt und bin mit diesem Artikel noch überhaupt nicht da angekommen, wo ich eigentlich hinwollte. Aber wahrscheinlich ist alles Vorherige viel wichtiger gewesen, als das, was jetzt kommt.
Meine Erfahrungen und Erkenntnisse fünf Jahre nach der Liposuktion bei Lipödem
Wie empfandest du die Liposuktionen?
Für mein Empfinden waren das sehr harte Wochen. Ich wurde kurz hintereinander innerhalb eines halben Jahres operiert und würde das so auch nicht mehr tun. Es war für mich sehr anstrengend und im Aufwachraum kurz nach den Operationen hatte ich mit dem Kreislauf sehr zu kämpfen. Das scheint jeder unterschiedlich gut zu verkraften.
Hier ist der Artikel zu meinen Liposuktionen.
Bist du beschwerdefrei?
Nein. Ich war ca. ein Dreiviertel Jahr schmerzfrei, nachdem ich aus der gröbsten Heilungsphase raus war. Danach kamen ganz leise und allmählich ein Zwicken wieder. Heute sind die Schmerzen deutlicher wieder da, aber den Zustand von vor den Operationen habe noch nicht erreicht. Das ist doch schon einmal was.
Hier kannst du dazu und zu meinen diesbezüglichen Ängsten einen Artikel lesen.
Ist das Lipödem wiedergekommen?
Ich denke nicht. Durch den Austausch mit Betroffenen aller Stadien lässt sich rückschließen, dass die Schwere der Schmerzen nicht unbedingt mit der Ausprägung des Lipödems einhergeht. Das heißt, ein Stadium 1 kann ebenso starke Schmerzen und Symptome empfinden, als Stadium 3 Patienten. Ich kann an mir keine großartigen Lipödem Veränderung feststellen und es kam auch nicht an anderen Stellen vermehrt auf oder sei “gewandert”. Ich wurde nur an den Beinen und Armen komplett operiert und nicht an Rücken und Bauch. Wenn man jedoch zunimmt, ist es natürlich klar, dass nach den Operationen andere Fettzellen nun die überschüssige Energie aufnehmen müssen und dadurch vielleicht mehr wachsen. Unkoordiniert habe ich jedoch nicht zugenommen. Ich wusste sehr genau, wo die Pfündchen herkamen und das war mein eigenes Verschulden.
Würdest du dich noch einmal operieren lassen?
Sag niemals “Nein”, oder? Ich denke, ich würde mich im allerhöchsten Notfall nochmal operieren lassen, aber solange ich es mit Ernährung und Sport schaffe, eine erträgliche Situation zu schaffen, sehe ich keinen Grund, das ganze noch einmal durchmachen zu wollen. Denn ja, Sport und Ernährung helfen zwar nicht gegen die Lipödem Fettzellen, aber wohl gegen die Schmerzen. Bitte macht euch von dem Gedanken frei, dass ihr damit nichts anrichten könntet.
Ach, natürlich überspitze ich es hier, aber wenn ich es so nicht schon erlebt und auch von anderen Bloggern gehört hätte, würde ich das hier wohl nicht schreiben müssen. Es ist bei weitem nicht die Überzahl, aber erschreckend viele, so dass man den eisigen Gegenwind deutlich zu spüren bekommt.
Man würde anderen Betroffenen die Hoffnung auf ein besseres Leben nehmen, sagen manche einem dann. Heißt das dann übersetzt, dass negative oder durchwachsene Erfahrungen nicht erwünscht sind? Gerade bei beliebten Ärzten? Dass man sie lieber totschweigen soll, damit … was genau? Die Fallhöhe so unangenehm hoch bleibt, wenn doch nicht alles nach Plan verläuft? Wir sind doch alle erwachsen und sollten umfassend über alles Bescheid wissen, wenn wir uns auf etwas einlassen. Oder möchtest du ein Haus kaufen, ohne zu wissen, was im Keller liegt? Na gut, spannend wäre das schon, aber darum geht’s doch jetzt nicht. Nächstes Mal vielleicht.
Weißt du, was ich jetzt merke? Ich hab mich tierisch verzettelt und bin mit diesem Artikel noch überhaupt nicht da angekommen, wo ich eigentlich hinwollte. Aber wahrscheinlich ist alles Vorherige viel wichtiger gewesen, als das, was jetzt kommt.
Austherapiert ist man so schnell nicht
Ich hoffe, dieser Artikel hilft dir bei deiner Entscheidung, ob die Liposuktion bei Lipödem für dich schon eine willkommene Maßnahme ist oder du die konservativen Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft hast. Die Liposuktionen hinterlassen ein Trümmerfeld unter der Haut, unterschätze sie nicht! Solange das Lipödem selbst nicht geheilt werden kann, bleibt der Ausgang für jede Betroffene individuell und vor allem ungewiss.

„Dennoch können wir froh sein, dass wir diese Möglichkeit überhaupt haben und die Wahrscheinlichkeit auf ein gutes Ergebnis mit jedem Jahr etwas besser wird.“
Was sind deine Erfahrungen oder Gedanken zu dem Thema? Schreib sie in die Kommentare unter diesem Artikel und helfe anderen mit deinen ehrlichen Eindrücken.
Vielen Dank!
Dieser Artikel ist in Kooperation mit medi entstanden.
Bilder: Michaela Kern
Wer bloggt hier: Caroline Sprott

Caroline Sprott ist nicht nur eine bekannte Lipödem-Betroffene, sondern auch Autorin, Vortragsrednerin, Kompressionsmodel, Podcast-Moderatorin und inspiriert seit vielen Jahren als motivierende Healthfluencerin in den sozialen Medien tausende von Flachstrick-Heldinnen. Statt sich von ihrer Erkrankung Lipödem entmutigen zu lassen, nutzt sie ihre jahrelange Erfahrung, um anderen auf verschiedensten Plattformen Mut zu machen und Bewusstsein für diese oft missverstandenen Krankheiten zu schaffen. Bekannt für ihr herzliches und ehrliches Engagement für Menschen mit Lip- und Lymphödemen, ist sie zu einer wichtigen Stimme in der Community geworden. Die „Power Sprotte“, wie sie sich selbst nennt, betreibt die umfangreichste patientengeführte Website für Menschen, die eine Kompressionsversorgung tragen, und einen Online-Shop für alles, was man für ein gutes Selbstmanagement braucht.
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