Wärmend, entzündungsarm, alltagstauglich: Winterrezepte für Lipödem & Lymphödem
Stoffwechsel ist nicht gleich Stoffwechsel, das haben wir alle schon festgestellt. Jeder Körper tickt etwas anders und auch die Jahreszeiten haben ihren Einfluss darauf. Die Tage sind kürzer, wir haben mehr Hunger und die Bewegung wird intuitiv reduziert. Aber eines bleibt gleich: Menschen mit Lipödem und Lymphödem haben dabei ganz eigene Baustellen und die schauen wir uns heute gemeinsam an.

Für Menschen mit Lipödem und Lymphödem kommt im Winter einiges hinzu:
Kälte verengt die Gefäße, der Lymphfluss wird träger, Schmerzen und Spannungsgefühle können zunehmen. Die Ernährung und das Selbstmanagement können dabei entscheidend für Entlastung sorgen.
Was der Körper im Winter wirklich braucht – speziell bei Lipödem & Lymphödem
Eines vorweg: mir ist es wichtig zu betonen, dass bei einer Ernährungsumstellung auch der Kopf umgestellt werden muss. Wie zum Beispiel die Anstrengung, die vom Gedanken ausgeht, auf etwas verzichten zu müssen. Wie oft habe ich schon gehört, dass man es sich gar nicht vorstellen kann, ohne Weizen oder Zucker zu leben, wenn ich von meiner Umstellung gesprochen habe. Dein Gedanke ist also ab heute: Bei deiner antientzündlichen Ernährung verzichtest du nicht, sondern isst gezielt Alternativen. Bestimmte Nährstoffe wirken wie kleine Regler in deinem Körper. Sie dämpfen Entzündungen, reduzieren Zellstress und erleichtern die Arbeit des Lymphsystems. Entschuldige, es wird ganz kurz theoretisch, aber es ist wichtig, dass du folgende Aspekte gut verinnerlichst:
Omega-3-Fettsäuren sind sehr wichtig. Sie sind Teile unserer Zellmembranen und beeinflussen, wie stark entzündliche Botenstoffe im Körper gebildet werden. Bei Lipödem ist das wichtig, weil das Fettgewebe entzündlich ist. Diese Fettsäuren sorgen dafür, dass der Körper weniger entzündungsfördernde Signalstoffe ausschüttet und stattdessen beruhigende „Gegenspieler“ bildet. Man findet Omega-3-Fettsäure vor allem in fettem Fisch wie Lachs oder Hering, aber auch in Walnüssen und hochwertigen Pflanzenölen. Gerade im Winter, wenn man sich weniger bewegt, sind sie wichtig.
Antioxidantien sind die zweite große Säule. Sie schützen unsere Zellen vor Stress, der entsteht, wenn der Körper entzündet ist oder das Immunsystem stark arbeitet. Bei Lipödem und Lymphödem ist dieser Zellstress oft erhöht. Antioxidantien sind wie Schutzschilde. Sie fangen die Stoffwechselprodukte ein, die Entzündungen verursachen und schützen somit deine Zellwände. Besonders viel davon sind in Beeren (Achtung: bitte aus der TK-Theke, wie z.B. wilde Heidelbeeren), Spinat, Grünkohl, Kräutern und Gewürzen drin. Gerade im Winter sind sie gut, weil sie das Immunsystem stärken, ohne es zu sehr zu belasten.




Ein oft unterschätzter Faktor ist Eiweiß. Proteine sind wichtig für Muskeln, Enzyme, Transportproteine und das Lymphsystem. Wenn der Körper nicht genug Eiweiß bekommt, kann er Reparaturen schlechter vornehmen. Entzündungen bleiben dann länger aktiv, weil die „Aufräumarbeiten“ nicht gut genug laufen. Eiweißreiche Lebensmittel wie Eier, Hülsenfrüchte, Fisch, Skyr oder Tofu liefern genau diese Bausteine. Sie helfen dem Körper, entzündetes Gewebe zu heilen und den Wasserhaushalt im Körper auszugleichen. Leider hält sich hartnäckig der Mythos, dass zu viel Eiweiß dem Lipödem schaden würde. Die Dosis macht das Gift und falls du wirklich Sorge hast, zu viel Eiweiß zu dir zu nehmen, notiere einmal ein paar Taage deine Nahrungsaufahme und wieviel Proteine du zu dir genommen hast. Du wirst dich wundern, wie wenig es meistens sind. Ich persönlich befinde mich gerade im gezielten Muskelaufbau und habe sogar Probleme, auf meinen benötigsten Eiweißhaushalt zu kommen.
Auch Mineralstoffe spielen im Winter eine entscheidende Rolle. Magnesium entspannt Muskeln und Gefäße, hilft gegen Spannungsschmerzen und ist entscheidend für erholsamen Schlaf. Gerade an diesem mangelt es vielen von uns, entweder ist er zu knapp, unterbrochen oder von Bildschirmzeit gestresst. Kalium ist gut für den Wasserhaushalt und die Kommunikation zwischen deinen Zellen. Das ist sinnvoll bewusst zu sich zu nehmen, wenn man zu Einlagerungen neigt. Zink ist ein zentraler Baustein für das Immunsystem und hilft gegen die Entzündungsvorgänge in deinem Körper. Diese Mineralstoffe sind zum Beispiel in Kürbis, Linsen, Nüssen, Spinat und Avocado drin. Sie wirken nicht gerade spektakulär, aber sie wirken mehr, als du vielleicht denkst, und das ist wichtig für einen Körper, der schon viel aushalten muss.
Wärmende Gewürze sind auch wichtig. Ingwer, Kurkuma, Zimt oder Kreuzkümmel fördern die Durchblutung und die Verdauung. Gleichzeitig wirken sie gegen Entzündungen, indem sie bestimmte Enzyme blockieren, die an Entzündungen beteiligt sind. Wärme von innen entspannt die Gefäße und unterstützt den Lymphfluss. Gerade im Winter berichten viele Frauen mit Lipödem davon, dass ihnen einfach nicht warm wird. Eine Studie dazu mit gezieltem Einsatz von diesen Gewürzen wäre doch spannend, oder?

Jetzt wird gekocht –
meine 4 wintertauglichsten Lieblingsrezepte

Warmes Beeren-Porridge mit Nüssen
Warum dieses Gericht so gut tut:
Wärmt von innen, stabilisiert den Blutzucker und liefert Antioxidantien für entzündungsaktive Tage.
Zutaten für 1 Portion:
- 1 kleine Tasse Haferflocken oder glutenfreie Alternative
- 1 gute Tasse Hafer- oder Mandelmilch
- 1 Handvoll TK-Beeren
- 1 Prise Zimt
- 1 kleine Handvoll Walnüsse oder Mandeln
- Optional: 1–2 Esslöffel Skyr oder Joghurt für extra Eiweiß
Zubereitung:
Mein Tipp: Haferflocken eine Nacht vorher im Kühlschrank mit Pflanzenmilch aufquillen lassen. Beim Quellen des Hafers entstehen Beta-Glucane, die den Stoffwechsel beruhigen, den Darm unterstützen und Entzündungsprozesse sanft abfedern.
Am Morgen dann die „Overnight-Oats“ in einem kleinen Topf erwärmen. Beeren direkt gefroren dazugeben und alles sanft köcheln lassen, bis eine cremige Konsistenz entsteht. Zimt unterrühren, vom Herd ziehen und mit Nüssen und optional Skyr toppen. Warm essen und ganz in Ruhe genießen.
Lässt sich auch wunderbar unterwegs und auf die Arbeit mitnehmen.

Linsen-Kürbis-Eintopf
Warum dieses Gericht so gut tut:
Eiweißreich, ballaststoffreich und genau richtig sättigend.
Zutaten für 2–3 Portionen:
- 1 kleine Schüssel rote Linsen
- Etwa 2 Hände voll Hokkaido-Kürbiswürfel
- 1 kleine Zwiebel
- 1 Knoblauchzehe
- 1 Teelöffel Kurkuma
- 1 Prise Kreuzkümmel
- Gemüsebrühe, so viel bis alles gut bedeckt ist
- Olivenöl zum Anbraten
Zubereitung:
Mein Tipp: Wenn du Zwiebeln oder Knoblauch nach dem Schneiden kurz liegen lässt, bildet sich Allicin. Dieser Stoff wirkt antientzündlich und antioxidativ.
Zwiebel und Knoblauch in etwas Olivenöl glasig dünsten. Kürbiswürfel dazugeben, kurz anrösten, dann Linsen und Gewürze unterrühren. Mit Brühe aufgießen und etwa 15–20 Minuten köcheln lassen, bis alles weich ist. Abschmecken, fertig. Hält sich gut im Kühlschrank und schmeckt mir am nächsten Tag oft noch besser.

Ofen-
lachs mit Winter-
gemüse
Warum dieses Gericht so gut tut:
Lachs liefert wertvolle Omega-3-Fettsäuren, in Kombination mit warmem Wintergemüse entsteht eine nahrhafte Mahlzeit, ohne zu beschweren.
Zutaten für 1–2 Portionen:
- 1 Stück Lachsfilet, etwa handgroß
- 2 Hände voll Wintergemüse (z. B. Brokkoli, Rosenkohl, Karotten)
- 1 Esslöffel Olivenöl
- Saft einer halben Zitrone
- Kräuter nach Geschmack
- Salz und Pfeffer
Zubereitung:
Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Das Gemüse in mundgerechte Stücke schneiden, auf ein Blech geben und mit Olivenöl, Salz und Pfeffer vermengen. Den Lachs darauflegen, mit Zitronensaft beträufeln und mit Kräutern würzen. Alles zusammen für etwa 20 Minuten in den Ofen schieben, bis der Lachs saftig und das Gemüse weich, aber noch bissfest ist.
Die Küche ist keine Apotheke
Mein Vater hat immer gesagt: Die Küche ist keine Apotheke. Und trotzdem passiert in der Küche oft mehr Therapie, als uns bewusst ist – gerade im Winter.
Ernährung kann Lipödem und Lymphödem nicht heilen, aber sie kann Symptome deutlich lindern. Sie kann Entzündungsprozesse dämpfen, den Stoffwechsel beruhigen, den Lymphfluss unterstützen und dem Körper genau das geben, was er in belastenden Phasen braucht. In diesem Sinne ist Ernährung kein nettes Beiwerk, sondern ein fester Bestandteil der Therapie.
Gleichzeitig ist Ernährung kein starres Konzept und keine Einbahnstraße. Was dem einen Körper guttut, kann für einen anderen nicht passen. Begleiterkrankungen, hormonelle Situationen, wie Wechseljahre, Schwangerschaften oder die Zeit nach Liposuktionen, und individuelle Verträglichkeiten spielen immer mit hinein. Deshalb sind alle Empfehlungen in diesem Artikel genau das: Empfehlungen. Sie dürfen ausprobiert, angepasst und auch wieder verworfen werden.
Wichtig ist mir vor allem eins: Ernährung soll beim Lipödem nicht zur Angst werden. Nicht zum Ort von Schuldgefühlen, Verboten oder permanentem Bauchweh. Ernährungstherapie darf wirksam sein und sich trotzdem gut anfühlen. Sie darf unterstützen, ohne zu kontrollieren und sie darf sich ganz dynamisch nach dir richten, so wie sich dein Körper verändert.
Gerade im Winter geht es weniger um Disziplin und mehr um Selbstfürsorge. Wer lernt, Essen als therapeutisches Werkzeug zu nutzen, ohne sich davon beherrschen zu lassen, hat einen der wichtigsten Schritte im Selbstmanagement bereits gemacht.

Dieser Artikel ist in Kooperation mit medi entstanden.
Bilder: Michaela Kern
Wer bloggt hier: Caroline Sprott

Caroline Sprott ist nicht nur eine bekannte Lipödem-Betroffene, sondern auch Autorin, Vortragsrednerin, Kompressionsmodel, Podcast-Moderatorin und inspiriert seit vielen Jahren als motivierende Healthfluencerin in den sozialen Medien tausende von Flachstrick-Heldinnen. Statt sich von ihrer Erkrankung Lipödem entmutigen zu lassen, nutzt sie ihre jahrelange Erfahrung, um anderen auf verschiedensten Plattformen Mut zu machen und Bewusstsein für diese oft missverstandenen Krankheiten zu schaffen. Bekannt für ihr herzliches und ehrliches Engagement für Menschen mit Lip- und Lymphödemen, ist sie zu einer wichtigen Stimme in der Community geworden. Die „Power Sprotte“, wie sie sich selbst nennt, betreibt die umfangreichste patientengeführte Website für Menschen, die eine Kompressionsversorgung tragen, und einen Online-Shop für alles, was man für ein gutes Selbstmanagement braucht.
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