Was bringt der GdB für Lipödem Betroffene?
Vorab: Dieser Beitrag behandelt kleine Ausschnitte des GdB. Fragestellungen zum Antrag, was mache ich, wenn „zu wenig GdB“ herauskommt, sind Thema eines gesonderten Beitrags.
Was heißt GdB?
Das ist die Abkürzung für Grad der Behinderung.
Behindert? Ich doch nicht, mag sich da manche denken. Zumal die Wortwahl „Behinderung“ zwischenzeitlich ohnehin insbesondere von den Betroffenen als politisch nicht gerade korrekt abgelehnt wird. Die meisten der sog. „Behinderten“ bevorzugen den Begriff „Handicap“ mit dem Argument, „behindert werden wir nicht durch unseren körperlichen Zustand, sondern durch die anderen“. Was natürlich zutreffend ist, der Gesetzgeber jedoch hat hier meist längere Vorlaufzeiten.
Allerdings gibt es auch für uns Lipödempatientinnen in diesem Zusammenhang wichtige Dinge zu beachten und zu beherzigen.
Was kann für Lipödempatientinnen von Bedeutung sein?
Für von einem Lymphödem betroffene Gliedmaße gibt es 0 – 10 als GdB (nein, nicht Prozent, nur GdB). Im „günstigsten“ Falle kommt man so auf GdB 40. Ist man bereits erheblich in der Gehfähigkeit beeinträchtigt, ist insofern immer noch kein Weg zum Merkzeichen G und den damit verbundenen Befreiungen im Nahverkehr freigegeben (zum Merkzeichen G wird es noch einen eigenen Beitrag geben). Oder auch arbeitsplatztechnisch kommt man noch nicht in den Genuss von Kündigungserschwernissen für den Arbeitgeber. Hier sollte jede Betroffene genauestens überprüfen, ob sie wirklich sämtliche Beeinträchtigungen mit eingebracht hat. Häufig im Verbund mit einer Lipödemerkrankung kommen vor:
- Gonarthrose, Hüftarthrose aufgrund der Verschiebung der Beinachse
- Rückenbeschwerden aufgrund der unnatürlichen Krümmung der ausgeprägten Gesäßpartie im Liegen
- Dermatologische Schäden, Kontaktekzeme insbesondere im Areal zwischen den Oberschenkeln
- Depressionen
- Diabetes
Auf Fibromyalgie oder Restless legs gibt es leider keinen GdB. Allerdings sind hier die psychischen und physischen Beeinträchtigungen durch Schmerzzustände gutachterlich ebenfalls zu werten. Auch Adipositas als solche zählt nicht als Krankheit, auch wenn sie im Verbund mit dem Lipödem vorkommt, lediglich deren Folgeerscheinungen.
Behindert oder schwerbehindert – was ist da der Unterschied?
Als schwerbehindert gelten Menschen mit einem GdB von mindestens 50 (§ 2 SGB IX). Schwerbehinderte erhalten Eingliederungshilfen (§§ 68 ff. SGB IX), genießen besonderen Kündigungsschutz (§§ 85 ff. SGB IX; dies gilt auch für gleichgestellte behinderte Menschen mit einem GdB von wenigstens 30) sowie ein Anspruch auf Zusatzurlaub (nur bei Schwerbehinderung, § 125 SGB IX).

„Hier kommt auch eine rechtlich umstrittene Fragestellung ins Spiel: Muss man beim Arbeitgeber überhaupt eine Schwerbehinderung angeben?“
Dies beginnt bei der Bewerbung und endet im Falle einer betriebsbedingten Kündigung. Hier ist lediglich eine Sache klar: Man muss nicht ungefragt eine Behinderung angeben. Diese Fragestellung betrifft in den meisten Fällen diejenigen, die noch nicht bei einer Schwerbehinderung angelangt sind, jedoch einen GdB von wenigstens 30 haben. Stellt man einen Antrag auf Gleichstellung, erfährt der Arbeitgeber vom GdB. Hier will also abgewogen werden: Bringe ich das ins Spiel oder nicht?
Früher in Rente?
Mit einem GdB von mindestens 50 kann man früher in Altersrente gehen. Für diejenigen, denen die Berufstätigkeit mit jedem Jahr schwerer fällt, eine durchaus lohnende Alternative. Hier ist zu beachten, dass die Wartezeit von 35 Jahren erfüllt sein muss.
In diesem Sinne, mehr dazu und zu vielen weiteren Themen, auf diesem Blog,
liebe Grüße,
Eure Ruth Leitenmaier
Dieser Artikel ist in Kooperation mit medi entstanden.
Bilder: Michaela Kern
Wer bloggt hier: Ruth Leitenmaier

Meine Schwerpunkte sind Sozial- und Medizinrecht, Steuerrecht, Erbrecht und Seniorenrecht. Ich bin selbst Lipödempatientin, im Jahr 2016 operiert und dankbar, einem nicht so guten Schicksal entronnen zu sein. Außer meiner Familie sind Kunst und Literatur meine steten Begleiter. Ich bin gerne in der freien Natur und habe meinen Ausgleich auch im Sport.
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