Depressionen bei chronischer Krankheit
Depressionen
Schönstes Sommerwetter. In der Arbeit schwärmen alle, wie gerne sie jetzt lieber am See wären und sich von der Sonne braten lassen würden. Sonne, 29°C – Alleine bei dem Gedanken, mich in die Sonne zu begeben, brennt mir fast die Haut, denn meine Haut ist empfindlicher, seit ich täglich die Kompression trage und ich bekomme noch schneller Sonnenbrand. Und dennoch, sie haben schon Recht, eigentlich ist das Wetter super.
Aber die Menge an Arbeit, die Notfälle und das daraus entstandene, kurzzeitige Chaos lassen diese Gedanken sofort verfliegen. Alle sind froh, wenn endlich Feierabend ist. Wir freuen uns, wieder anteilig ein Leben gerettet zu haben und Krebspatienten, durch die von uns bearbeiteten Blutkonserven, das Leben erleichtert zu haben. Über diese Einzelschicksale machen wir uns nur sehr kurz Gedanken. So ist das Leben. Für mich geht es gleich weiter zur Lymphdrainage.
Die Stunde über ratsche ich mit meiner Therapeutin, wir lachen über die Stories und den Klatsch, den wir austauschen. Ich fühle mich gut und nach diesem Arbeitstag gibt es kaum etwas besseres. Auch meine dumpfen Kopfschmerzen, die mich seit Feierabend plagen, habe ich vergessen. Auf dem Weg zum Bus lese ich die Nachricht von meinem Mann, dass er mit den Kollegen noch in den Biergarten geht und sie anschließend noch ein paar Bars unsicher machen wollen. Ich wünsche ihnen viel Spaß und steige in den Bus.
Die Tür schließt sich hinter mir …

„… und da bricht es über mich herein.“
Die Kopfschmerzen sind ziemlich heftig und das Gefühl, innerlich zu fallen, ist unangenehm. Ich nehme meine Umwelt nur noch dumpf war, als wäre ich in Watte gepackt. Ich setzte mir meine Kopfhörer auf die Ohren. Musik an – Welt aus. Das Hochgefühl von eben ist schlagartig verschwunden. Ich sehne mich nach meinem daheim, meinem Schutzraum. Dabei bin ich längst in mir selbst verschlossen. Ich will hier raus! Raus aus dieser Situation, diesem Moment. Als ich die Wohnung betrete, löse ich meine persönliche Schutzhülle, nehme die Kopfhörer ab, atme tief durch und versuche, mich zu entspannen.
Ich reiße mir die Armkompression runter und schaue in den Kühlschrank. Ich entdecke ein kühles Bier, klemme mir eine Kippe in den Mundwinkel und gehe raus auf die Terrasse. Die Sonne ist hinter dem großen Baum verschwunden. Ich lege die Füße hoch und öffne mein Bier und zünde mir gemütlich die Zigarette an. Feierabend, Mit dem ersten Zug löse ich mich vollständig aus der Depression.
Ich schaue mich um, entdecke neue reife Tomaten, sogar eine letzte Erdbeere und freue mich. Herrlich, so ein Feierabendbier.
Dieser Artikel ist in Kooperation mit medi entstanden.
Bilder: Michaela Kern
Wer bloggt hier: Mareike Zebisch

Mareike Zebisch, aus München und 28 Jahre alt. Seit 2 Jahren habe ich die Diagnose Lipödem und Lymphödem. Mein Kleiderschrank wird von schwarzer Kleidung dominiert, aber bunte Kompression findet trotzdem ab und zu ihren Weg zu mir.
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