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Feldbergklinik Tagebuch #1: Reha mit Lipödem / Lymphödem

Das Interesse und die Fragen zu meinem Aufenthalt in der Feldbergklinik sind einfach unermüdlich und somit möchte ich euch in Form dieses kleinen Tagebuches einen Einblick in meine Reha mit Lipödem geben. Ich werde sehr wahrscheinlich drei Wochen hier sein, daher teile ich die kommenden Einträge thematisch in persönlicher Raum, Feldbergklinik, Umgebung ein. Zum Schluss des Artikels wird es jeweils einen Fragenkatalog geben, in dem ich die meisten Fragen, die in der Zeit aufgekommen sind, noch einmal zum Nachlesen beantworte. Also falls welche offen bleiben sollten, her damit. Los, los, los! Ich bin für euch investigativ unterwegs. Mit einem Trenchcoat und diesem Brille-Nase-Schnäuzer Dingen als Tarnung – pah! Sprott inkognito.

Warum eine Reha?

Nach drei Liposuktionen bin ich leider nicht beschwerdefrei geblieben und spüre, wie die Schmerzen langsam und stetig sich wieder in meine Extremitäten schleichen. Das Phänomen, dass man nach den Operationen an anderen Stellen schneller und mehr zunehmen würde, kann ich nicht bestätigen. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich mich langsam wieder darum kümmern sollte, den Zustand nicht in die Situation vor den Operationen kommen zu lassen. Also wusste ich, die Reha tat mir damals sehr gut und ich merke jetzt nach einer Woche schon einen spürbaren Effekt. Vor allem mental und sportlich gesehen. Es tut gut, in meinem Schwarzwälder Zuhause zu sein.

Wie ihr eine Reha beantragt lest ihr hier.


Mein kleines Zuhause

Mein Zimmer ist relativ klein, aber die Größe hat mich bisher noch nicht gestört. Die Decken sind so schön hoch und das macht für mich einiges wett. Der Boden wurde inzwischen erneuert und langsam wird die Feldbergklinik Schritt für Schritt renoviert. Die Bäder haben es auf den Zimmern am meisten nötig, die sind nämlich größtenteils noch Zeitzeugen Dr. Asdonks. Aber ich denke mir immer, solange es sauber ist, ist alles andere eine Frage der Zeit. Solche intensiven Renovierungsmaßnahmen sind ja für so eine Klinik ein großer Kostenfaktor. Ansonsten bin ich völlig zufrieden und finde die Zimmer für den Aufenthalt völlig ausreichend.


Mein Therapeut

Schon vor drei Jahren haben Michael „Phil Collins“ Rüdiger und ich vier sehr unterhaltsame Wochen Therapie miteinander verbracht und daraus entstand eine starke Bindung. Es ist Therapeutenliebe. Er macht seine Arbeit fantastisch und hat mir 2014 mit seinen goldenen Händen und dem perfekten Wickeln schon vier Liter aus meinen Beinen geholt. Was wir dieses Jahr, nach den Liposuktionen vor zwei Jahren, noch herausholen können, wird sich bei der Schlussmessung zeigen. Jetzt nach einer Woche liegen wir bei ein paar Millimetern, was besser als keine Veränderung ist.

„Wenn Phil Collins nicht gerade auf Tour ist, knetet er strahlend in St. Blasien die Lymphe aus meinem Körper.“

Mein Therapeut hat natürlich auch einen richtigen Namen, aber er sieht dem alten früher-mal-Rock-heute-Schmusi-Schmusi-Sänger Phil Collins einfach ähnlich. Ich konnte nicht anders.


Die Wiedervereinigung

Im Vorfeld rief ich in der Feldbergklinik an, um meinen Wunsch notieren zu lassen, wieder von Phil Collins therapiert werden zu dürfen. Letztendlich hat die Cheftherapeutin das letzte Wort und teilt die Patienten dann vor Ort gemäß dem Urlaubsplan und besonderen Wünschen des Patienten einem passenden Therapeuten zu. Ich hatte Glück und ich kann euch sagen, ich war aufgeregt wie ein kleines Schulmädchen. Endlich würde ich ihn wiedersehen, nach drei Jahren Schwärmerei und in Erinnerungen an unsere Gespräche Schwälgen. Aber würde er mich wieder erkennen? Weiß er noch, wer ich bin?

Inzwischen war ich ja verheiratet und habe den Namen meines Mannes angenommen, aber mein besonderer Vorname hatte mich doch entlarvt. Ihm dämmerte es und er wollte es gar nicht glauben, dass ich doch tatsächlich wieder zu ihm zurückkehre. Die Freude war groß und die Umarmung so herzlich, wie sie nur sein konnte. Man, was haben wir uns gefreut, endlich wieder ein paar Wochen die letzten Jahre aufholen zu können.

Könnt ihr es glauben? Mein Bild mit einer lieben Bekannten aus der letzten Reha hängt an seiner Pinnwand und er hat mich jeden Tag dieser drei Jahre vor Augen gehabt. Wie schön es doch ist, nach Hause zu kommen. Ich bin mittlerweile ja soweit mit meinem Recherche-Wahn, dass ich gerne noch mehr Reha-Kliniken ausprobieren möchte, um von Ihnen berichten zu können. Aber das würde auch bedeuten, dass ich meinen Lieblingstherapeuten nicht bei mir hätte und irgendwie habe ich das Gefühl, es wäre nicht halb so heilsam, wie es sich gerade anfühlt.


Die Wickelung

Die ist das A und O der Reha-Therapie und trägt aktiv zur Entstauung eurer betroffenen Extremitäten bei. Normalerweise wird unter den Bandagen Schaumstoff eingesetzt, doch den vertrage ich leider nicht und bekomme daher einen Baumwollstrumpf als Alternative. Danach folgt Lage um Lage an Binden verschiedenester Stärken und zum Schluss die Langzugbinden zur Befestigung. Wenn man anatomisch schwierige Proportionen hat, helfen auch alte zerschnittene Kompressionsstrumpfhosen oder -radler zur Fixierung. So kann sie nicht Rutschen. Bei mir hält zum Glück alles trotz Bewegung sehr gut. Natürlich auch dank der „golden hands“ von ihr-wisst-schon-wem.

Abends oder, wer nur an Beinen oder Armen betroffen ist, mittags wickelt man sich ab und rollt die Bandagen wieder entweder per Hand oder Roll-Maschine auf und legt sie im Bandagenkorb zusammen. So seid ihr für die nächste MLD wieder vorbereitet.

Die Bewegung in der Wickelung ist von höchster Wichtigkeit und sorgt für ein gutes Ergebnis. Je mehr Lymphe durch den Druck abtransportiert werden können, umso besser. Treppensteigen, Spaziergänge und Reha-Sport.

Ich hoffe, euch hat der erste keine Eindruck in meinen Aufenthalt in der Feldbergklinik gefallen. Wir sehen uns dann in der zweiten Woche wieder! Hier kommt ihr zur Homepage der Klinik.

Alles liebe und viele Grüße aus dem Schwarzwald


Eure Fragen zur Reha in der Feldbergklinik

Welche Vorraussetzungen muss man erfüllen?
Der Arzt, der mit dir den Antrag stellt, beschließt in dem Moment auch, dass sie medizinisch notwendig ist, um deinen Gesundheitszustand zu verbessern und zu erhalten. Eine klarere Voraussetzung außer der Diagnose ist mir nicht bekannt.

Muss man auch Lymphödem haben oder reicht ein reines Lipödem?
Nein, auch mit einem reinen Lipödem kann man in Reha fahren und Ergebnisse erzielen.

Bringt die Reha etwas bei Lipödem?
Das kommt immer auf den eigenen Einsatz an. Die Klinik allein kann nur die Basis für eine erfolgreiche Behandlung stellen. Was ihr daraus macht liegt in eurer Hand.

Wieviel Wochen bist du da bzw. nach was richtet sich die Dauer?
Der Mindestaufenthalt, wenn der Aufenthalt über die Rentenversicherung läuft, liegt bei drei Wochen. Manchmal wird er bis zu sechs Wochen verlängert, meistens auf vier Wochen.

Wie läuft das Wochenende ab?
Am Wochenende gibt es in der Feldbergklinik morgentlichen Wickeldienst. Das bedeutet, man wird zwar nicht extra vorher gelympht, aber gewickelt, um den Zustand der Woche am Wochenende nicht rückläufig werden zu lassen. Der Rest der Zeit steht zur freien Verfügung und wird meistens für Ausflüge genutzt. Hier bieten auch Busunternehmen Tagestrips an.

Gab es eigentlich irgendwelche Probleme bei der Beantragung, weil du schon Liposuktionen hinter dich gebracht hast?
Nein, mein Antrag wurde direkt genehmigt. Die vorhergegangenen Liposuktionen heilen ja auch nicht das Lipödem, so dass man sich im Laufe der Jahre immer darum kümmern sollte, seinen Status so gut wie möglich zu erhalten oder zu verbessern. Für solche Zwecke ist eine Reha immer eine gute Wahl.

Gibts denn in der Feldbergklinik Kinderbetreuung?
Direkte Betreuung gibt es nicht. Wenn die Kinder alt genug sind, sich einigermaßen alleine zu beschäftigen, ist das alles machbar. Ich habe auch einmal miterlebt, dass eine Mutter mit ihrem Baby und ihrer Mutter angereist ist. So konnte die Mutter sich um das Baby während der Behandlungen kümmern. Also prinzipiell könnt ihr eure Kinder mitbringen, nur im Zweifelsfall sollte noch jemand mit anreisen, der euch bei der Betreuung hilft. Ansonsten steht euch auch eine Haushaltshilfe zu, die Zuhause euch unter die Arme greift.

Wird auch psychologisch auf einen eingegangen?
Es gibt eine psychologische Beratung, die man in Anspruch nehmen kann. Aber das ist eher eine kleine Hilfe am Rande. Der Fokus liegt nur in der Behandlung des Ödems.

Deine Beine sehen gewickelt noch sehr dünn aus, ist da kein Schaumstoff drunter?
Nein, leider bin ich gegen den Schaumstoff allergisch. Bei mir wird ein Baumwollstrumpf stattdessen verwendet.

Wie gefällt es dir in der Feldbergkinik?
Ich mag die Klinik und fühle mich hier sehr wohl. St. Blasien ist ein süßes kleines Örtchen, welches für den Alltag völlig ausreicht. Das Personal war immer sehr freundlich zu mir und alle geben sich Mühe. Ich finde auch, dass das Essen wirklich oft lecker ist und die Auswahl morgens und abends ebenso ausreichend ist. Es ist schließlich eine Klinik und kein Hotel. Und da immer weiter renoviert wird, bin ich guter Dinge, dass sie bald in neuem Glanz erstrahlt.

Ist die Therapie von dauerhaftem Erfolg?
Ich würde sagen, je mehr Mühe man sich zuhause damit gibt, den Abreisezustand zu erhalten, desto länger hält er an. Ich würde sagen, dass ich mich ein gutes dreiviertel Jahr besser gefühlt habe. Danach wurde es leider damals rapide schlechter, bis wir uns für die OPs entschieden.

Weitere Antworten folgen in den nächsten Artikeln!




Dieser Artikel ist in Kooperation mit medi entstanden.
Bilder: Michaela Kern


Wer bloggt hier: Caroline Sprott

Caroline Sprott ist nicht nur eine bekannte Lipödem-Betroffene, sondern auch Autorin, Vortragsrednerin, Kompressionsmodel, Podcast-Moderatorin und inspiriert seit vielen Jahren als motivierende Healthfluencerin in den sozialen Medien tausende von Flachstrick-Heldinnen. Statt sich von ihrer Erkrankung Lipödem entmutigen zu lassen, nutzt sie ihre jahrelange Erfahrung, um anderen auf verschiedensten Plattformen Mut zu machen und Bewusstsein für diese oft missverstandenen Krankheiten zu schaffen. Bekannt für ihr herzliches und ehrliches Engagement für Menschen mit Lip- und Lymphödemen, ist sie zu einer wichtigen Stimme in der Community geworden. Die „Power Sprotte“, wie sie sich selbst nennt, betreibt die umfangreichste patientengeführte Website für Menschen, die eine Kompressionsversorgung tragen, und einen Online-Shop für alles, was man für ein gutes Selbstmanagement braucht.



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