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Abnehmspritze bei Lipödem und Adipositas: Warum ich sie nehme

Kaum ein Thema hat mir in den letzten Monaten so viele Nachrichten beschert wie dieses. Täglich erreichen mich Fragen zur Abnehmspritze, und fast jede zweite beginnt mit „Sorry für die vielen Fragen“. Ich sage dir gleich zu Beginn: Du musst dich nie entschuldigen, wenn du Fragen stellst. Dass es so viele davon gibt, zeigt doch nur, wie groß das Informationsbedürfnis ist und wie wenige Anlaufstellen wir haben. Genau deshalb gibt es jetzt diese Blogserie.

Meine Geschichte, Teil 1

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Damit du nichts verpasst, hier der Fahrplan: In diesem ersten Teil erzähle ich dir meine ganz persönliche Geschichte. Warum ich mich für diese Therapie entschieden habe, wie der Weg zur Verordnung aussah und was sie mich kostet, auch finanziell.

In Teil 2 geht es um die Frage aller Fragen: Wirkt die Spritze eigentlich aufs Lipödem?

Und in Teil 3 sprechen wir über den Alltag mit der Therapie, über Nebenwirkungen, Kraftsport, Kompression und die große Frage nach dem Absetzen.

Ein wichtiger Hinweis vorab: Medikamente wie die sogenannten Abnehmspritzen sind verschreibungspflichtig. Dieser Artikel ist keine Werbung und keine Empfehlung, sondern mein persönlicher Erfahrungsbericht und eine Aufklärung aus der Patientinnenperspektive. Ob eine solche Therapie für dich infrage kommt, kann und darf nur deine Ärztin oder dein Arzt mit dir gemeinsam entscheiden.

Ein Leben lang Food Noise

Um zu verstehen, warum ich diese Therapie mache, musst du wissen, wogegen ich eigentlich kämpfe. Ich kämpfe nicht gegen ein paar Kilo für den Sommerurlaub oder weil ich in ein gesellschaftliches Bild von einem Frauenkörper passen möchte. Ich kämpfe mein Leben lang gegen Adipositas.

Mein Höchstgewicht lag bei 130 kg gewogen, bei einer Größe von 1,81 m. Ich habe es aus eigener Kraft bis auf 91 kg geschafft, ganz ohne Medikamente, mit ketogener Ernährung, sehr viel Sport und eisernem Willen. Doch damals war ich 26, hatte deutlich mehr Zeit hierfür zur Verfügung und war weniger „on the road“. Andere Lebensumstände, andere Belastungen, und das Gewicht kletterte zurück auf 114 kg. Nicht, weil ich zu schwach war. Sondern weil Adipositas genau das ist: chronisch.

Das Belastendste daran war für mich nicht unbedingt die Zahl auf der Waage. Es war der Ballast im Alltag und der Food Noise. Falls du das Wort noch nicht kennst: Damit ist dieses unaufhörliche Gedankenkreisen ums Essen gemeint. Ein unstillbarer Appetit, obwohl der Verstand längst weiß, dass der Körper nichts mehr braucht. Es dreht sich alles um Essen, den ganzen Tag, jeden Tag. Man ist ein Sklave seines Appetits, und ich kann kaum in Worte fassen, wie zermürbend das ist. Mit ketogener Ernährung konnte ich diesen Lärm jahrelang in Schach halten und sogar meine Lipödem-Schmerzen fast komplett lindern, aber irgendwann habe ich die Umsetzung im Alltag einfach nicht mehr geschafft.

Hier findest du einige Artikel zu dieser Phase und auch meinen Podcast, in dem ich bereits über die ketogene Ernährung gesprochen habe. Hier geht es direkt zur Folge.

Der Weg zur Verordnung

Anfang des Jahres habe ich zu Mounjaro gewechselt, davor habe ich bereits ein anderes GLP-1-Präparat genommen. Verordnet hat es mir meine Phlebologin, und zwar vorrangig als Adipositas-Therapie. Das ist mir wichtig zu betonen: Meine Lipödem-Schmerzen sind seit meinen Liposuktionen gut handelbar, weil mein Selbstmanagement eingespielt ist. Bei mir ging es um die Adipositas.

Und hier räume ich gleich mit einem weit verbreiteten Irrglauben auf: Eine Verordnung bedeutet nicht, dass die Krankenkasse zahlt. Die Verordnung brauchst du überhaupt erst einmal, um das Medikament in der Apotheke zu bekommen. Bezahlen musst du es bei dieser Indikation aktuell trotzdem selbst, per Privatrezept.

Was mir bei meiner Ärztin besonders wichtig war und was ich mir für jede von euch wünsche: Ich wurde vor Therapiebeginn penibel durchgecheckt. Ultraschall, großes Blutbild, alles wurde kontrolliert, um sicherzustellen, dass ich die richtigen Voraussetzungen mitbringe. Alles andere wäre in meinen Augen fahrlässig. Ich wurde auch ehrlich aufgeklärt: Bei Diabetes-Patientinnen und -Patienten gibt es mit diesen Wirkstoffen bereits rund zehn Jahre Erfahrung und eine recht gute Studienlage. Speziell zur Adipositas-Therapie ist die Datenlage jünger und dünner. Ich wusste also, was man weiß, und genauso, was man noch nicht weiß. Beides gehört zu einer echten Entscheidung dazu.

Reden wir über Geld

Jetzt kommt der Teil, der gar nicht mal so pauschal zu beantworten ist. Die Therapie kostet mich mehrere Hundert Euro im Monat, mit der aktuellen Dosis ca. 300€. Genaue Zahlen bringen dir wenig, weil jedes Präparat und jede Dosis anders kostet. Aber ich sage dir ganz ehrlich: Es tut finanziell richtig weh. Ich spare an anderen Stellen deutlich ein und verzichte gerade auf vieles, weil ich mich für diese Therapie entschieden habe und sie jetzt meine Priorität ist.

Das ist eine bittere Wahrheit, die zur Aufklärung dazugehört: Diese Therapie ist aktuell eine Frage des Geldbeutels. Und nein, das finde ich eine Frechheit und extrem unfair. Eine chronische Erkrankung zu therapieren, sollte keine Frage des Kontostands sein, und ich frage mich, mit welchem Recht Magenoperationen auf Kassenleistung vorgenommen werden, aber Medikamente, die einen Eingriff bestenfalls überflüssig machen, nicht. Aber das ist ein Thema für die politische Bühne, und du weißt ja, dass ich auch dort nicht leise bin.

Was seitdem passiert ist

Mein Food Noise war ungefähr am zweiten Tag weg. Ich muss ehrlich sagen, darauf war ich nicht vorbereitet. Die allererste Dosis war ein bisschen komisch, mir war leicht flau. Aber seitdem ist es bei mir völlig unauffällig, und diese plötzliche Stille im Kopf war für mich die größte Erleichterung überhaupt. Zum ersten Mal seit Jahren denke ich nicht permanent ans Essen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie viel Lebensqualität das bedeutet.

Ich möchte an dieser Stelle bereits betonen, dass ich nur selten Nebenwirkungen gespürt habe und immer hatte es einen für mich direkt erklärbaren Grund. Wie z. B. wenn ich zu wenig oder das falsche gegessen oder zu wenig getrunken habe. Dieses Risiko war mir bereits vorher bewusst und ich tue stets mein Bestes, um ganz bewusst mir gute und ausreichende Nährstoffe zuzuführen.

Ich habe inzwischen gute 20 Kilogramm in einem Jahr abgenommen und wiege aktuell zwischen 94 und 95 Kilogramm. Und weißt du was? Ich bin nicht auf der Flucht und nehme einfach so ab, wie ich es damals mit 26 auch geschafft habe – nur mit weniger Hungergefühl. Ich will gar nicht schneller abnehmen. Ich lasse meinem Körper bewusst Zeit für diesen Prozess, und ich bin überzeugt, dass genau das einer der Gründe ist, warum es mir dabei so gut geht.

Aber, und das ist mir wirklich wichtig: Die Spritze ist nicht allein verantwortlich dafür, dass es mir körperlich so gut geht wie lange nicht. Ich habe parallel sehr viel verändert. Ich mache konsequent Kraftsport, ich achte auf meinen Schlaf, ich ernähre mich nährstoffreich, supplementiere (was ich supplementiere, hörst du hier) und esse bewusst genug und proteinreich. Aus der Community kam neulich ein Vergleich, den ich richtig schlau finde: Die Abnehmspritze ist wie ein Nikotinpflaster. Ein Hilfsmittel, eine Unterstützung bei der Umsetzung. Aber rauchfrei wirst und bleibst du nur, wenn du selbst umlernst. Genauso ist es hier.

Wie mein System aus Ernährung und Kraftsport genau aussieht und warum ich damit bis heute praktisch nebenwirkungsfrei bin, erzähle ich dir ausführlich in Teil 3.

Und was ist jetzt mit dem Lipödem?

Ich weiß, dass das deine brennendste Frage ist. Hilft die Spritze gegen die Lipödem-Schmerzen? Verändert sie das kranke Fettgewebe? Warum berichten manche von Schmerzfreiheit nach wenigen Wochen, während andere sagen, ihr Lipödem zeige sich völlig unbeeindruckt?

Genau darum geht es nächste Woche in Teil 2. Ich nehme dich mit durch die Erfahrungen aus der Community, erkläre dir den Unterschied zwischen den Wirkstoffen und warum die Unterscheidung zwischen Lipödem und Lipohypertrophie für deine Therapieentscheidung so wichtig ist. Glaub mir, diesen Teil willst du nicht verpassen.

Bis dahin erzähl mir gerne in den Kommentaren und auf Social Media: Wo stehst du gerade bei diesem Thema? Überlegst du noch, bist du schon mittendrin, oder hast du dich bewusst dagegen entschieden? Hier ist Platz für alle Erfahrungen.

Hinweis: Dieser Artikel schildert meine persönliche Erfahrung und dient der Aufklärung. Er ist keine medizinische Beratung, keine Therapieempfehlung und keine Werbung. GLP-1-Medikamente sind verschreibungspflichtig und gehören ausnahmslos in ärztliche Begleitung, inklusive gründlicher Voruntersuchung. Bei Beschwerden während einer Therapie, zum Beispiel anhaltenden starken Bauchschmerzen, wende dich bitte umgehend an deine Ärztin oder deinen Arzt.

Wer bloggt hier: Caroline Sprott

Caroline Sprott

Caroline Sprott ist Pionierin der Lipödem-Community. 2011 zeigte sie sich als erste Person weltweit in Kompression auf Instagram. Heute inspiriert sie als Autorin, Speakerin und Podcast-Hosterin tausende Betroffene. Mit ihrem Blog Powersprotte, dem Mutmaschen-Podcast und zwei Büchern prägt sie die Lymphologie mit Herzlichkeit und Humor. Seit über 10 Jahren arbeitet sie eng mit medi zusammen und ist Brückenbauerin zwischen Patienten und Fachschaft. Ihre Mission: Menschen mit Lipödem und Lymphödem zeigen, dass sie alles haben, um trotz chronischer Diagnose glücklich zu sein.


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