Lipödem und Steuer: Welche Kosten du absetzen kannst, von Kompression bis Liposuktion
Uff. Steuern. Allein das Wort macht bei mir manchmal schon die Stirn schwer. Und ja, ich weiß, es gibt Dinge, die sich glamouröser anfühlen als Belege sortieren. Aber seien wir ehrlich: Wenn Lipödem oder Lymphödem uns im Alltag ohnehin schon genug Energie abknöpfen, ist es doppelt unfair, dass wir dann auch noch finanziell so viel selbst stemmen müssen. Genau deshalb lohnt sich dieses Thema. Nicht weil es Spaß macht. Sondern weil hier echtes Sparpotenzial liegt. Geld, das du dir zurückholen kannst, um es in Dinge zu stecken, die dir guttun. Therapie, Selbstmanagement, Entlastung, Leben.
Für diesen Artikel habe ich mir fachliche Unterstützung geholt, damit du nicht auf mein Bauchgefühl angewiesen bist, sondern auf echtes Steuerwissen. In der Podcastfolge zu diesem Thema war Andrea Breidohr dabei, vom Lohn und Einkommensteuer Hilfe Ring Deutschland e.V. und der SHG Lip Lymph Remstal e.V. Sie hat uns sehr klar durch den Steuer Dschungel geführt. Danke dafür, wirklich.
Von der Couch Potato zum Sportfreak
Hier kannst du die passende Podcastfolge direkt anhören: Höre dir die Podcastfolge auf Spotify an. Und wenn du lieber liest und dir Wissen gern markierst und wieder hervorholst: Meine Bücher findest du hier: Diagnose Lipödem? Du bist nicht allein! und Emotional frei mit Lipödem.
Wichtig, bevor wir loslegen: Ich teile hier Erfahrungen, Wissen aus dem Gespräch mit einer Expertin und alltagstaugliche Orientierung. Das ist keine Steuerberatung. Wenn du unsicher bist oder es um größere Summen geht, ist eine professionelle Beratung Gold wert. Und ja, das darf auch leicht sein, wenn du die richtige Person an deiner Seite hast.
Warum steuerliche Absetzbarkeit bei Lipödem und Lymphödem so wichtig ist
Jetzt wird es praktisch. Denn Selbstmanagement ist bei Lipödem und Lymphödem nicht optional. Es ist Therapie. Und Therapie kostet. Nicht nur Nerven, auch Geld. Ein typisches Beispiel sind Fahrten. Fahrten zum Sanitätshaus, zur Ärztin, zur Selbsthilfegruppe oder zur Therapie. In der Folge wurde genannt, dass du Fahrten mit einem Kilometersatz ansetzen kannst. Das klingt klein, aber über ein Jahr kann das spürbar werden. Vor allem, wenn du regelmäßig Termine hast. Ich habe mich jahrelang vor dem Thema gedrückt, weil es so kompliziert wirkt. Dabei ist der erste Schritt oft der wichtigste: überhaupt zu wissen, dass du Kosten überhaupt geltend machen kannst. Denn viele Ausgaben rund um Lipödem und Lymphödem fallen steuerlich unter sogenannte außergewöhnliche Belastungen. Das bedeutet vereinfacht: Kosten, die dir entstehen, weil du krank bist und die nicht einfach nur Lifestyle sind.
In der Folge hat Andrea erklärt, dass unter bestimmten Voraussetzungen auch größere Behandlungskosten wie eine Liposuktion steuerlich berücksichtigt werden können, teils auch rückwirkend, wenn Bescheide noch änderbar sind. Entscheidend ist, dass du Nachweise hast. Rechnungen, ärztliche Bescheinigungen, Rezepte. Und wenn die Krankenkasse etwas abgelehnt hat, kann auch so ein Ablehnungsschreiben helfen, den medizinischen Bezug zu untermauern.
Und dann sind da die vielen kleinen Posten, die sich übers Jahr läppern. Fahrten zu Ärztinnen und Ärzten, zum Sanitätshaus, zur Selbsthilfegruppe. Kompressionsversorgungen. Zuzahlungen. Hilfsmittel. Das sind genau die Dinge, bei denen viele denken: Ach, lohnt sich eh nicht. Doch. Es kann sich lohnen. Vor allem, wenn du nicht nur einen Beleg hast, sondern viele und sie klug bündelst. Dann das Thema Hilfsmittel. Anziehhilfen, Handschuhe, spezielle Tools. Hier lohnt es sich, ärztliche Rezepte zu nutzen, wo möglich. Nicht nur, weil das die Chance auf Kostenübernahme erhöht, sondern auch, weil es den medizinischen Bezug dokumentiert. Wenn etwas nicht übernommen wird, kann es trotzdem steuerlich relevant sein, je nach Gesamtsumme und Nachweislage.
Ein weiteres Thema, das viele betrifft: Geräte zu Hause, zum Beispiel ein Lymphomat. Da geht es schnell um Stromkosten und laufende Belastung. Andrea hat erklärt, dass solche Kosten je nach Situation eine Rolle spielen können, zum Beispiel wenn eine Kostenübernahme abgelehnt wurde und du die Nutzung plausibel dokumentierst. Ein Nutzungstagebuch kann dabei helfen, wenn das Finanzamt Nachfragen hat. Das ist kein Drama, das ist einfach nur ein kleines Protokoll, das dir im Zweifel den Rücken stärkt.
Ein wichtiger Punkt ist dabei die sogenannte zumutbare Belastung. Die sorgt dafür, dass nicht jede Ausgabe automatisch Steuern spart. Erst wenn du diese Schwelle überschreitest, kann es sich auswirken. Das klingt erst einmal nervig, ist aber auch eine Einladung, nicht nur Lipödemkosten zu sammeln, sondern alle relevanten Gesundheitskosten eines Jahres gemeinsam zu betrachten. Zahnarzt, Brille, Rezeptgebühren, Therapien. Alles, was nachweisbar ist.
GdB und Steuer: Lohnt sich ein Antrag wirklich?
Viele scheuen sich davor, einen Grad der Behinderung zu beantragen. Aus Angst, aus Stolz, aus dem Gefühl heraus, man müsse erst richtig schlimm betroffen sein. Ich verstehe das. Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen, dass ein GdB nicht nur ein Stempel ist, sondern auch finanzielle Entlastung bringen kann.
Andrea hat in der Podcastfolge erklärt, dass es bereits ab bestimmten GdB‑Stufen einen Pauschbetrag gibt, der steuerlich berücksichtigt werden kann. Und dieser Pauschbetrag kann unabhängig von dieser zumutbaren Belastung wirken. Das ist ein riesiger Unterschied. Weil es bedeutet: Es kann sich lohnen, auch wenn du gar nicht so viele Einzelbelege gesammelt hast. Ob das in deinem Fall passt, hängt natürlich von deiner Situation ab. Aber allein das Wissen nimmt vielen die Unsicherheit und macht den nächsten Schritt leichter.
Wenn du dazu tiefer einsteigen willst, hör dir unbedingt die Folge an, weil Andrea dort sehr konkret erklärt, worauf es ankommt: Podcastfolge zum GdB und Steuer.
Wo fängst du an, wenn du gerade nur genervt bist
Wenn du jetzt denkst: Ja super, ich soll also jetzt auch noch Buchhalterin meines eigenen Krankheitslebens werden. Ich fühle dich. Wirklich. Und genau deshalb ist mein Rat nicht: Mach alles perfekt. Sondern: Mach es machbar. Such dir einen Ordner oder eine Box oder einen digitalen Sammelplatz. Und dann sammelst du ab heute einfach alles, was eindeutig dazugehört. Quittungen, Rezepte, Rechnungen, Fahrten. Kein Sortieren nach Kategorien, keine Excel-Tabelle, kein Overkill. Nur sammeln. Das ist der Einstieg, der funktioniert, auch wenn du müde bist.
Und dann, wenn du einen Moment Luft hast, gehst du Schritt für Schritt ran. Vielleicht mit Hilfe oder mit einer Lohnsteuerhilfe. Vielleicht mit einer Person, die dich unterstützt. Du musst das nicht allein tragen. Du trägst schon genug.
Fazit: Es kann sich lohnen.
Mein Vater hat immer gesagt: Die Küche ist keine Apotheke. Und ja, das stimmt. Gleichzeitig ist unser Alltag eben auch keine Idealwelt. Lipödem und Lymphödem sind teuer, Therapie ist aufwendig und Selbstmanagement ist Arbeit. Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir nicht nur körperlich kämpfen, sondern auch finanziell klug werden. Nicht aus Geiz, sondern aus Selbstschutz.
Und noch etwas ist mir wichtig: Was für die eine Person funktioniert, muss nicht automatisch für die andere passen. Begleiterkrankungen, individuelle Lebensumstände und persönliche Belastungsgrenzen gehören immer dazu. Dieser Artikel soll dich nicht unter Druck setzen. Er soll dir Angst nehmen. Auch die Angst davor, dich mit Geldthemen zu beschäftigen. Denn du darfst Entlastung annehmen. Du darfst dir holen, was dir zusteht. Und du darfst lernen, dass Selbstmanagement nicht nur aus Kompression, Bewegung und Ernährung besteht, sondern auch aus den Dingen, die dein Leben leichter machen.
Wenn du tiefer rein willst, hör dir die Folge unbedingt an, da sind noch mehr Details und Beispiele drin: Podcastfolge. Und wenn du generell Struktur in dein Selbstmanagement bringen möchtest, ohne dich zu überfordern: Schau in meine Bücher, die sind genau dafür da, dich an die Hand zu nehmen.
Wenn du magst, schreib mir, welcher Tipp dir am meisten geholfen hat oder wo du gerade festhängst. Dann machen wir das gemeinsam ein Stück leichter.
Wer bloggt hier: Caroline Sprott

Caroline Sprott ist nicht nur eine bekannte Lipödem-Betroffene, sondern auch Autorin, Vortragsrednerin, Kompressionsmodel, Podcast-Moderatorin und inspiriert seit vielen Jahren als motivierende Healthfluencerin in den sozialen Medien tausende von Flachstrick-Heldinnen. Statt sich von ihrer Erkrankung Lipödem entmutigen zu lassen, nutzt sie ihre jahrelange Erfahrung, um anderen auf verschiedensten Plattformen Mut zu machen und Bewusstsein für diese oft missverstandenen Krankheiten zu schaffen. Bekannt für ihr herzliches und ehrliches Engagement für Menschen mit Lip- und Lymphödemen, ist sie zu einer wichtigen Stimme in der Community geworden. Die „Power Sprotte“, wie sie sich selbst nennt, betreibt die umfangreichste patientengeführte Website für Menschen, die eine Kompressionsversorgung tragen, und einen Online-Shop für alles, was man für ein gutes Selbstmanagement braucht.
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